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Und wieder ist es mir passiert!

Wieder habe ich einem Menschen erlaubt mir mein wunderbares Leben zumindest kurzfristig zur Hölle zu machen! Wieder habe ich mich dabei erwischt, dass mir das Heil anderer wichtiger war wie mein eigenes! Darf ich vorstellen:

Die Mutter Teresa vom Dienst!

Ich finde, Mutter Teresa hat Grossartiges geleistet! Sie hat sich ihrer Aufgabe mit Leib und Seele verschrieben. Sie hat unermüdlich gegeben, gedient und geheilt!

So weit so gut! …und jetzt nochmals für mich:
Liebe Katja
Mutter Teresa ist tot! Und ich bin NICHT Mutter Teresa…Ich bin Katja…okay?
Ich möchte kein weisses Kopftuch tragen, ich bin auch keine Nonne, keine Heilige und ich lebe in Österreich und nicht in Kalkutta. Ich bin Katja und ich muss das nicht so machen wie sie!

Nun habe ich mich gefragt, wie es sein konnte, dass ich so agiere wie sie – obwohl ich keinen verwandtschaftlichen Bezug zu Mutter Teresa habe.

Die Erklärung fand ich in meiner Geschichte! (Was für einen Überraschung!!!)

Hier ist sie:
Meine Oma war eine „Heilige“ – zumindest hat man sie nur immer mit Rosenkranz in den Fingern gesehen….dazu war da dieses ständige, halblaute Murmeln von Gebeten, die meine Oma in der Küche, im Bad, im Bett, vor dem Fernseher ganztags und ohne Unterbrechung von sich gegeben hat!

Was ich von meiner Oma wusste, war, dass wir Menschen ganz, ganz arme Sünder sind und wenn wir eine klitzekleine Chance haben wollen in den Himmel zu kommen, dann müssen wir ganz BRAV sein…also so ganz brav!
Ansonsten kommt man in die Hölle…und da ist es richtig heiss…brandheiss und da sind alle Kriminellen, Räuber, Mörder und das ganz Gesindel…

Das Bild hat mir so einen Schrecken eingejagt, dass ich fortan, zumindest in Gegenwart meiner Oma, beim Kirchengang auch vor mich hin murmelte. Was genau wusste ich nicht aber diesen Sing-Sang hatte ich relativ schnell drauf und ich fand, dass das dem Gemurmel meiner Oma ziemlich nahe kam.

Leider hat das zum Brav-Sein nicht gereicht…natürlich nicht! Zum Beten dazu muss man dienen. Und zwar unentgeltlich…und immer…und lächeln dabei…auch wenn es anstrengend ist! – lehrte mich meine Oma!
Gott gibt uns nur Kreuze auf den Rücken, die wir tragen können, sagte meine Oma!
Und je tapferer wir das Kreuz tragen, desto grösser sind die Chancen im Himmel bei den Engeln zu landen…zu Füssen von Jesus!
Die Vorstellung gefiel mir! Wie toll muss es da oben sein…wow! Alles voller Gold und Glanz und in der Mitte Jesus, rechts davon alle Heiligen und links Ich – die brave, tapfere Katja!

Ab und zu würde der beissende Geruch der Hölle zu uns wehen und wir würden die armen Seelen betteln hören und alle würden seufzen vor Erleichterung, dass wir es zu Lebzeiten geschafft haben unsere Kreuze stoisch zu (er)tragen.

Also die Schlussfolgerung erschien mir somit logisch:

Wer im Leben Spass hatte, sich erlaubte Unfug zu treiben und sich den Gelüsten und Trieben hingab, der musste das dann halt alles abbüssen in der Hölle! Wer sich aber brav und tapfer das Leben zur Hölle machte, der durfte dann im Himmel so richtig schwelgen! Ich fand das mehr als fair, weil ja die Zeit im Himmel ewig war. Und ewig war ja länger wie so ein Leben!
In meinem kleinen Kopf machte das also Sinn – außerdem mochte ich meine Oma und ich wusste, dass sie mich auch mochte und darum war mir klar, dass das ganz sicher ein guter Weg für mich war!

Nun das Kreuz war verdammt schwer und der Aufstieg unpackbar. Außerdem kam mir vor, dass ich mir da gleich mehrere Kreuze auferlegt hatte und ich war ab und zu nahe dabei aufzugeben. Doch dann erinnerte ich mich wieder an meine große Vision – ihr wisst schon…der HIMMEL!…und so ging ich tapfer weiter. Das würde ich heute noch machen, wenn ich mit 30 nicht zusammengebrochen wäre!

Da ging nichts mehr – gar nichts!
Ich war fertig mit der Welt und mit mir und mit meinem Leben und dem Scheiss-Kreuz was vergammelt auf meinem Rücken festgebunden war!

In diesem einen Moment, wo ich so da lag und echt nicht mehr aufstehen konnte, hörte ich mich sagen: Lieber Gott, entweder Du holst mich jetzt gleich oder ich muss das hier auf der Erde anders machen!
Ich kann so nicht weiterleben!

Und von diesem Tag an – es war im Herbst 2000 habe ich Stück für Stück des Kreuzes abgegeben.

Meine Oma starb 2009 nach einem langen, langen Sterbekampf. Als ich mich von ihr verabschiedete, sah ich es in ihren Augen…sie war unendlich traurig – nicht mal sterben war leicht… auch das war noch ein Kampf…

Und ich weiss, dass sie mir seither von oben zuschaut und lächelt – meine Oma ist froh, dass ich das Kreuz vorher abgelegt habe…und mich für einen anderen Weg entschieden habe!

Mein Haltung hat sich seit dem denkwürdigen Tag im Herbst 2000 massgeblich verändert…äusserlich und innerlich…
Heute gehe ich aufrecht und wenn ich wieder mal Mutter Teresa spiele, dann merke ich es früh genug und sage STOPP!

Ja – ab und zu passiert es heute noch. Die Prägung zeigt manchmal noch Wirkung, aber ich merke schnell, wenn mir jemand ein Kreuz aufbindet und ich gebe es ihm dankend zurück. Es hat einiges an innerer Arbeit, an Erkenntnissen und Bewusstwerdung gebraucht um meinem Leben eine neuen Anstrich zu verpassen.

Daraus ist DIE HALTUNG entstanden, die ich mit viel Freude und Enthusiasmus bereits ganz vielen Menschen nahebringen konnte!

Und damit schliesst sich der Kreis.

DANKE liebe Oma. Ohne Dich wüsste ich nicht, dass man wirklich fähig ist, sich das eigene Leben zur Hölle zu machen!

Und DANKE dieser Katja, die all die Jahre darum gekämpft hat einen komplett anderen Weg wie meine Vorfahren einzuschlagen. Lange habe ich sie ignoriert und zurechtgewiesen.
Doch damals im Herbst 2000 hat sie gesiegt und ist mir seither nicht mehr von der Seite gewichen!